Am 25. Oktober 2024 startete der Verband der oberösterreichischen Berg- und Schiführer im Rahmen der Ausstellung „Über Tourismus“ seinen Strategieprozess mit „BERG(FÜHRER)2050“. Obmann Martin Unterberger eröffnete die Veranstaltung und hob die Bedeutung nachhaltiger sowie innovativer Tourismuskonzepte hervor, um den Anforderungen zukünftiger Touristen gerecht zu werden.
Als Moderatorin führte Verbandsmitglied Nadine Guggenberger, MSc durchs Programm. Sie unterstrich die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Entwicklung angepasster Konzepte für Natur- und Sporttourismus. Die hohe Kompetenz der anwesenden Experten aus den Bereichen Berg- und Wanderführen, Sportklettern sowie Risikomanagement und Gästelenkung ermöglichte eine hochkarätige Diskussion.
Für den eingeleiteten Strategieprozess des Berg- und Schiführerbands von besonderer Wichtigkeit ist das Einfließen der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dieser aktuelle Forschungsstand wurde von den Fachexperten Univ.-Prof. Dr. Kurt Luger und Mag. Klaus Reingruber nähergebracht. Prof. Luger, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelles Erbe und Tourismus an der Universität Salzburg, beleuchtete die kulturellen und gesellschaftlichen Dimensionen des Tourismus. In seinem Vortrag erklärte er, wie die Berge als Sehnsuchtsort funktionieren und zeigte auf, wie sich die Wahrnehmung und Nutzung dieser Orte im Laufe der Jahre verändert haben. Er skizzierte die Möglichkeit einer Art des Tourismus, die kulturelle Authentizität bewahrt, indem sie sich den Herausforderungen der Zeit anpasst. Die Aufgabe des modernen Bergführers könnte es entsprechend sein, als Vermittler zwischen Tradition und Innovation zu wirken.
Mag. Reingruber, Meteorologe und Geschäftsführer von BLUE SKY Wetteranalysen und Gletschermesser, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Bergtourismus. Er verdeutlichte, wie extreme Wetterereignisse und veränderte klimatische Bedingungen die alpine Infrastruktur beeinflussen. Er erklärte weiters, wie nachhaltige Anpassungsstrategien einen positiven Einfluss auf den Tourismus in Oberösterreich haben können. Als einer der führenden Gletscherforscher beschrieb er deren Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Bergführerwesen.
Ein Beispiel für nachhaltige Konzepte stellte der Bergführer „Hati“ Hans-Jörg Finsterer vor. Er erklärte, dass sich eine nachhaltige Bergtour nicht nur auf eine umweltfreundliche Anreise beschränkt, sondern alle Aspekte der Tour umfassen sollte. Sein Ansatz zeigt, dass nachhaltige Tourismusstrategien nicht nur die Natur schonen, sondern auch wirtschaftliche Chancen eröffnen, auch wenn die Umsetzung solcher Initiativen mit anfänglichen Herausforderungen verbunden ist.
Bereits in die Vorbereitung der Veranstaltung wurde die Bergführerlegende Toni Rosifka miteinbezogen. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung lieferte er wertvolle Anstöße für die praktische Umsetzung von Tourismusstrategien und trug maßgeblich zur inhaltlichen Gestaltung der zugrundeliegenden Fragestellungen bei.
Im Anschluss fand eine offene Diskussion statt, bei der die Teilnehmer gemeinsam über nachhaltige Lösungen debattierten. In darauf basierenden Workshops wurden Konzepte für zukünftige Entwicklungen im Bergtourismus erarbeitet.
„BERG(FÜHRER)2050“ ist der Startpunkt eines umfassenden Strategieprozesses, der im nächsten Jahr mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt wird. Ziel sind touristische Konzepte, die den Spagat zwischen wirtschaftlicher Rentabilität und ökologischer Verantwortung schaffen. Mit einem breiten Spektrum an Expertenwissen und praxisnahen Ansätzen zeigte die Veranstaltung „BERG(FÜHRER)2050“, dass die Zukunft des Tourismus in einer verantwortungsbewussten, ganzheitlichen Planung und Ausführung liegt.